Energiewende ist unbezahlbar und wirkungslos - Leserbrief an die FAZ

geschrieben von 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. März 2019
 
Brief an die Herausgeber
 
Energiewende ist unbezahlbar und wirkungslos
 
Zu „Ein Plan zur Rettung der Energiewende“ von Andreas Mihm (FA.Z. vom 21. Februar): Die Bun-
deskanzlerin hat recht, wenn sie feststellt, dass die Energiewende scheitern wird, „wenn wir so wei-
termachen“. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit ist sie bereits gescheitert: Sie ist
unbezahlbar und wirkungslos. Daran ändert auch der „Plan zur Rettung der Energiewende“ nichts, den
Wirtschaft und Wissenschaft jetzt vorlegen. Denn das in diesem Plan vorgeschlagene Maßnahmenpaket
erfordert Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich, die zusätzlich zu den heute schon weltweit
höchsten Stromkosten von den deutschen Verbrauchern getragen werden müssen.
Hinzu kommen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die im aktuellen Strompreis noch nicht enthal-
tenen Aufwendungen für die im Bau befindlichen und geplanten „Stromautobahnen“ von Norden nach
Süden, für den Bau neuer konventioneller Ersatzkraftwerke bei Außerbetriebnahme aller Kohle- und
Kernkraftwerke und für Entwicklung und Bau leistungsfähiger Energiespeicher zur Gewährleistung der
Versorgungssicherheit während der Dunkelflaute (keine Sonne, kein Wind) sowie die Mehrkosten von
mehreren Milliarden Euro für das sogenannte Redispatching zur Netzstabilisierung bei volatiler Ein-
speisung der Windenergieanlagen. Kurzum: Die Strompreise werden weiter stark steigen und sich
voraussichtlich bis zum Jahre 2025 verdoppeln. Wer kann das noch bezahlen?
Bis heute wurde bereits 350.000 „prekären“ Haushalten wegen unbezahlter Stromrechnungen der
Strom abgeklemmt. Diese Zahl wird steigen und den Befürwortern der Energiewende „politisch auf die
Füße fallen“. Die stromintensiven Großunternehmen investieren schon heute überwiegend in Bil-
ligstromländern. Auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die im internationalen Wett-
bewerb stehen, klagen zunehmend über steigende Stromrechnungen und über die dadurch entstehenden
Wettbewerbsnachteile. Beispielhaft dafür ist der Vortrag des Familienunternehmers Christopher Grü-
newald (Gebr. Grünewald GmbH &Co. KG) im Oktober 2018 vor der Kohlekommission, in dem er auf
die negativen finanziellen Folgen des Kohleausstiegs für sein Unternehmen hinwies.
Aber auch die Versorgungssicherheit wird durch die Energiewende verschlechtert, wie zum Beispiel
durch den durch die Energiewende erzwungenen totalen Umbau der Stromversorgungssysteme, durch
die Engpässe in Übertragungsnetzen wegen Verzögerungen im Netzausbau und durch die weiter stei-
gende Zahl an Windenergieanlagen mit zunehmender Volatilität bei der Netzeinspeisung. Diese Tatsa-
chen bereiten den Übertragungs-Netzbetreibern zunehmend Probleme bei der Netzstabilisierung. Die
Schwierigkeiten zeigen sich beispielhaft in den zusätzlich zu der automatischen Netzregelung not-
wendigen manuellen Netzeingriffen, die seit Beginn der Energiewende dramatisch zugenommen haben.
Wegen der Komplexität des europäischen Stromverbundsystems wird das Betriebspersonal der Über-
tragungs-Netzbetreiber zunehmend physisch und psychisch überfordert. Wie wird das erst nach den
geplanten Außerbetriebnahmen der Kohle- und Kernkraftwerke? Denn bereits heute bestehen, insbe-
sondere in Süddeutschland, Defizite an gesicherter Kraftwerksleistung. Fazit: Durch den ungebremsten
Fortgang der Energiewende werden flächendeckende Stromausfälle mit den bekannten verheerenden
Folgen immer wahrscheinlicher.
Und welche Wirkung erzielt die unbezahlbare und die Versorgungssicherheit gefährdende deutsche
Energiewende? Die CO 2 -Emissionen in Deutschland haben sich trotz des Einsatzes von riesigen Milli-
ardenbeträgen praktisch nicht verringert, und weltweit steigen sie weiter. Und das alles vor dem Hin-
tergrund der aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen über die Ursachen des Klimawandels. Im
Umweltausschuss des Deutschen Bundestages vom 28. November 2018 hat der namhafte Klimaforscher
Professor Dr. Nir Shaviv, Hebrew University of Jerusalem, dargestellt, dass es keinen wissenschaftli-
chen Beweis für die anthropogenen Ursachen des Klimawandels gibt. Hier besteht noch dringender
Forschungsbedarf, bevor weitere Milliarden in den bisher wirkungslosen Klimaschutz investiert wer-
den.  
DR. HERBERT TRÖSCHER, STUTTGART

Gelesen 188 mal